Nachlese 18.06. beim AELF
Der angenehm kühle und lebendig gestaltete Erlebnisraum des AELF (Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten) in Puch stimmte die Gäste gleich passend in die Themen des heutigen Abends ein: Naturverbundenheit, Stolz auf die kreative und lebendige Region, Respekt und Verantwortung gegenüber den Ressourcen, die Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft uns bieten. Tierfiguren, Modelle von Backwaren, Milchprodukten, Schautafeln, Getreidepflanzen, warme Holztöne und der Duft nach Stroh vermittelten Leidenschaft für eines der ältesten Handwerke, das bodenständig und existenziell ist: Die Erzeugung von Lebensmitteln. In mir weckt es immer ein Stück Ehrfurcht, wenn ich mit der Artenvielfalt, dem Reichtum und auch der gewaltigen Kraft der Natur konfrontiert bin, Landwirtschaft und Kulturlandschaft sind eng verbunden und erfordern einen verantwortungsbewussten Umgang.
Das AELF ist erste Anlaufstelle für alle Land- und Forstwirte, die sich der Herausforderung eines 365-Tage-Jobs zu stellen bereit sind. „Unterstützen und beraten, die Herausforderungen zu meistern“, so könnte man seine Aufgabe auch beschreiben, denn die Dienstleistungen und Aufgabengebiete sind unglaublich breit gefächert. Sabine Weindl, Stellvertreterin und Bereichsleiterin Landwirtschaft, stellte das AELF mit seine Abteilungen und Funktionen vor, konkrete Beispiele halfen, die behördliche Praxis besser zu verstehen. Da ist zum einen natürlich die behördliche Prüf- und Kontrollfunktion im Bereich Hoheitsvollzug, die Regelungen in Bezug auf Flächennutzung, Tierhaltung, Qualitätssicherung, Bewirtschaftung etc. überwacht.
Weit weniger bekannt sind die zahlreichen Unterstützungsangebote und Infos rund um Landwirtschaft, Betriebsentwicklung auch im Nebenerwerb, Fruchtfolgen und mögliche Erlöse gerade auch in Bezug auf Förderprogramme, Monitoring im Pflanzenschutz oder Bildungsberatung, um nur ein paar zu nennen. Die eigene Hauswirtschaftsschule, Lehrgänge, Leitfäden und Veranstaltungen mit Ernährungs- und Nahrungsmitteltipps für Betriebsgastronomie, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Kindergärten, Familien und Bürger zeigen auch seine Funktion als Bildungsträger und Wissensvermittler. Sogar ein Escape Game Mission Zero Waste für Jugendliche gibt es! Mit Stolz verwies sie auch auf die Initiative Unser Land/Brucker Land, zu dem wir später noch weitere Infos bekamen.
Die Brücke zur Energiewirtschaft schlug dann Karl Kolbeck der eneryion GmbH. Das Ingenieurbüro und Installationsbetrieb für erneuerbare Energien entwickelt und baut nachhaltige Energielösungen für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft, sein Leistungsspektrum umfasst PV, Speichersysteme und Ladeinfrastruktur. Gerade im ländlichen Raum ergeben sich mit einer Agri-PV Anlage im Vergleich zu Freiflächen PV ganz neue Bewirtschaftungspotenziale. Ohne die wertvolle Anbaufläche zu verlieren kann sie gleichzeitig zur Gewinnung von grünem Strom genutzt werden. Dem Landwirt eröffnet sich dadurch die Chance, seinen Betrieb zu diversifizieren und vom reinen Ackertrag ein Stück weit unabhängig zu machen. Die generationenübergreifende Existenzsicherung von Haus und Hof, ein Beitrag zur Energiewende und Autarkie als auch die zukunftsorientierte Flächenbewirtschaftung sind starke Argumente für die Kombination aus Energie- und Landwirtschaft. In puncto Digitalisierung und Elektrifizierung haben zunehmend auch landwirtschaftliche Betriebe Strombedarf, der in eigener Erzeugung und Verbrauch kostengünstiger ist als Fremdbezug, alternativ winkt für die Einspeisung attraktive, fixe Vergütung für 20 Jahre (hofnahe Agri-PV).
Der verantwortliche und effiziente Umgang mit natürlichen Ressourcen ist die Grundlage zum Erhalt unserer Ernährungswirtschaft, daran konnte auch Margit Pesch hervorragend anknüpfen und leitete mit Ihrer Verkostung den Networking-Teil des Abends ein. Die Prokuristin vom Dachverband UNSER LAND und Vorstandsmitglied der Solidargemeinschaft BRUCKER LAND e.V. beschrieb uns das Wirkungsfeld der inzwischen 10 Solidargemeinschaften, die sich um die Regionalvermarktung von Land- und forstwirtschaftlichen Produkten kümmert. Gut 120 heimische Produkte von mehr 300 Erzeugerbetrieben werden hier unter der Marke UNSER LAND in den Verkauf gebracht. Mit Leidenschaft erzählte sie, wie ideenreich mit innovativen Aromen, Kreuzungen und Rezepten die Erzeuger tüfteln, um immer wieder neu Produkte im hiesigen Umfeld zu kultivieren. Wir duften davon gleich kosten und diverse Käsesorten, eingelegte Gurken, Säfte und verschiedene Brotsorten probieren. „Unser Ziel ist der Erhalt der Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen in unserer Region“, erklärt Frau Pesch und schildert konkrete Fälle und erfolgreiche Wachsen der Marke. Manche kannten das Logo zwar vom Sehen, nicht jedoch was dahintersteckt und lauschten interessiert und beeindruckt Frau Pesch´s Ausführungen, unterstützt von Matthias Heitmayr, Kreisobmann des Bayrischen Bauernverbandes. Die Organisation war sogar Finalist beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis, zahlreiche Aktionen und Messen stärken die Sichtbarkeit und Bekanntheitsgrad der Marke, deren Akteure tief verwurzelt mit Ihrem Handwerk und der Region sind. Im lockeren Gespräch über Nahrungsmittel, Energie und Nachhaltigkeit fand der Abend seinen Ausklang.
Vielen Dank an alle Mitwirkende und Akteure sowie Catering gespendet von König Ludwig Schlossbrauerei und UNSER Land GmbH
Sabine Weindl, AELF
Margit Pesch, UNSER LAND GmbH
Karl Kolbeck, eneryion GmbH
Matthias Heitmayr, Bayr. Bauernverband
Eventinitiative Hedwig Hanf
Organisation und Fotos Martina Fuchs
Marion Heidtmann Podcast
weitere Fotos Martin Herp
